Es fühlt sich schon beinahe wie Sommer an … und dann, wenn morgens die Kühle unter’s Jackett kriecht, kommt die Erinnerung, dass es gerade Mitte Mai ist. Die Schwalben kreisen gelassen hoch oben unter dem blassblauen Himmel. Rein rechnerisch ist das Jahr fast halb rum. Die Erdbeeren auf dem Balkon geizen noch mit Blüten, von Früchten ganz zu schweigen. Auf dem Markt unterbieten sich die Händler mit ihren Spargelpreisen, als gäbe es kein Morgen.

Fotos? Ja, gelegentlich gibt es wieder welche. Das hier habe ich ganz tief aus dem Archiv gegraben. Der Umschwung von der großen Spiegelreflex hin zur kleinen, unauffälligen Systemkamera ist noch nicht ganz durch den Kopf. Außerdem stoppt der Finger häufig über dem Auslöser, seit ich nicht mehr sicher bin, ob ich da nicht jemanden in einer für ihn unvorteilhaften Pose ablichte. Vorhin auf dem Busbahnhof schnauzte sogar ein Busfahrer einen Jungen an, dass er seinen Bus nicht fotografieren dürfe. Die Welt steht Kopf. Vielleicht sind Blumen doch die dankbareren Motive? Sie wissen nicht von ihrer Vergänglichkeit, geknickte Blätter sind ihnen egal, halten einfach still … und ihr Bild bleibt, wenn sie schon längst dahingewelkt sind.